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Robert Helgerth

(51), ist seit September 2004 Senior Director Partner & Mittelstand sowie Mitglied der Geschäfts- führung bei Microsoft Deutsch- land. Zuvor war Herr Helgerth u.a. General Manager und Senior Vice President bei Poet Software sowie Director Solution Sales and Global Accounts bei der Compaq Computer GmbH.

Wege aus der Krise (2): Eine Stimme aus der Wirtschaft

Robert Helgerth, Senior Director Mittelstand & Partner und Mitglied der Geschäftsführung der Microsoft Deutschland GmbH

Hilfen für den Mittelstand: Rettungsanker Informationstechnologie

Die Informationstechnologie und ihr Beitrag zur Überwindung der Wirtschaftskrise

Die aktuelle wirtschaftliche Situation in Deutschland stellt Unternehmen jeder Art, Größe und Branche vor immense Herausforderungen. Gleichwohl ist hinsichtlich der längerfristigen gesamtwirtschaftlichen Aussichten durchaus Optimismus angebracht. Denn viele der Faktoren, die bis vor kurzem für stetes Wirtschaftswachstum gesorgt haben, bleiben trotz der Rezession bestehen. Zu diesen Faktoren zählen die herausragende Wettbewerbsfähigkeit deutscher Produkte sowie die Vorreiterrolle der deutschen Industrie bei Zukunftsthemen wie der grünen Technologie. Eine Schlüsselrolle kommt der Informations- technologie zu: sie ist im Gegensatz zu 2001 diesmal nicht Auslöser der Wirtschaftskrise, sondern Teil der Lösung.

Die Bedeutung der IT bei der Bewältigung der Krise zeigt sich in zweierlei Hinsicht: Zum einen stellt der IT-Sektor eine Leitbranche dar, deren Stärke auf andere Wirtschaftszweige abstrahlt. Zum anderen ist die Informationstechnologie als R&D-intensiver Sektor maßgeblich an der Schaffung von Basisinnnovationen beteiligt – eine wesentliche Voraussetzung für den nächsten Aufschwung. Die Bedeutung der IT-Branche lässt sich im übrigen auch in Zahlen messen: So entfallen 40 Prozent des Wirtschaftswachstums in Deutschland auf Betriebe der ITK-Industrie. Mit einem Jahresumsatz von 140 Milliarden Euro expandiert die Branche nach wie vor. Mehr als 800.000 Menschen in Deutschland sind in ITK-Berufen beschäftigt. Weitere 650.000 ITK-Experten arbeiten in anderen Branchen.

IT als Wettbewerbsvorteil

Innovative IT-Lösungen stellen einen nicht zu unterschätzenden Wettbewerbsvorteil für einzelne Unternehmen dar. Der strategische Einsatz von IT hilft Unternehmen, effizienter und effektiver zu arbeiten, Prozesse zu automatisieren und mit weniger Ressourcen mehr zu erreichen. Mitarbeiter können sich auf ihre Kernaufgaben konzentrieren. Gleichzeitig hilft IT Unternehmen, klüger und strategischer vorzugehen, selbst in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit: Eine neue Generation von Lösungen legt den Grundstein für Informationssysteme, die flexibler und kostengünstiger sind. Mitarbeiter können so fundierter auf sich wandelnde wirtschaftliche Bedingungen reagieren als je zuvor.

Dem Marktforschungsinstituts Gartner zufolge wissen gerade die Vorstände der großen Konzerne sehr genau, dass IT einen erheblichen Beitrag zur Kosten- senkung und Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit liefern kann – und zwar nicht nur durch eigene Einsparungen, sondern vor allem durch eine nachhaltige Verbesserung der Geschäftsprozesse. Gleichzeitig hilft die IT auch Kosten und Aufwand für sich verändernde Geschäftsprozesse, wie beispielsweise durch Umstrukturierungen verursacht, gering zu halten.

Der Zielkonflikt

Hingegen befinden sich viele der rund 2,5 Millionen kleinen und mittelständischen Firmen in Deutschland in einem Zielkonflikt: Angesichts der gegenwärtigen Krise suchen sie einerseits nach Möglichkeiten, Kosten zu senken und andererseits ihre Produktivität zu erhöhen. Bei der Lösung dieses Zielkonflikts sehen sich KMUs jedoch mit Problemen wie dem erschwerten Zugang zu Finanzierungs- möglichkeiten und Kreditversicherungen, einer nachlassenden Verbraucher- nachfrage sowie einem sich verschärfenden Wettbewerb mit global agierenden Konzernen konfrontiert.

Es bedarf also einer umfassenden Strategie sowie einer konzertierten Aktion von Staat, Finanzwirtschaft aber auch dem Mittelstand selbst um diesen Zielkonflikt aufzulösen.

Programme zur Förderung der Innovationskraft sind ein geeigneter erster Schritt zum Auf- und Ausbau einer wettbewerbsfähigen High-Tech-Infrastruktur. Allerdings sollten diese Programme noch passgenauer gestaltet werden. Das Konjunkturpaket II berücksichtigt zwar eine Vielzahl von High-Tech-Aspekten. Diese kommen dem deutschen Mittelstand jedoch nur indirekt zu Gute. Das Hauptaugenmerk aller staatlichen Hightech-Förderung liegt auf dem Ausbau der Breitbandinfrastruktur oder dem Aufbau von intelligenten Verkehrsinfra- strukturen. Mittelstands-relevante Maßnahmen, beispielsweise eine Verbesserung der Abschreibungsmöglichkeiten für Investitionen in Software, Patente und Lizenzen, werden hingegen nur vage behandelt. Hier besteht dringender Nachbesserungsbedarf.

Gesucht: Tatkräftige Unternehmer

Gleichzeitig steht fest: Staatliche Förderprogramme ersetzen niemals die Tatkraft des einzelnen Unternehmens bzw. Unternehmers. Auch können Unternehmen nicht darauf warten, dass die Politik handelt. Mittelständler müssen Investitionen in die Zukunft zu ihrem Kernanliegen, zum „Herzstück der Unternehmens-strategie“ erklären. Denn Unternehmen, die gerade in Krisenzeiten in innovative Technologien investiert haben, gehörten in der Vergangenheit überdurch- schnittlich häufig zu den Gewinnern in der Folge einer Rezession. Dabei fehlen aber vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen oftmals die finanziellen Mittel, um Investitionen in Informationstechnologie tätigen zu können. Hier sind Banken und Kreditversicherer gefragt: In letzter Zeit hat sich die Vergabepraxis bei Krediten deutlich verschärft, die Ratinganforderungen sind restriktiver geworden. Mitunter verweigern Kreditinstitute die für IT-Investitionen beantragten Mittel mit der Begründung einer fehlenden Sicherheit, wie sie beispielsweise bei Investitionen in Gebäude oder Maschinen gegeben sei. Der Aspekt der Kostensenkung und der Produktivitätssteigerung bleibt dabei meist unbeachtet. Hier bedarf es einer Neuausrichtung der Bewertungskriterien sowie einer erhöhten Transparenz bei Rating- und Krediteinstufungen seitens der Banken und Kreditversicherungen.

Insgesamt kommt der IT bei der Bewältigung der aktuellen Wirtschaftskrise eine herausragende Bedeutung zu: IT ist der Schlüssel zu neuen, innovativen Lösungen und Geschäftsmodellen ebenso wie zu Kostensenkungen und einer höheren Produktivität. IT generiert nachhaltiges Wachstum und dadurch auch neue, wettbewerbsfähige Beschäftigungspotentiale. Um diese Vorteile auch bei kleinen und mittelständischen Unternehmen ausspielen zu können, bedarf es eines Umdenkens und einer Re-Kalibrierung bei staatlichen Fördermaßnahmen, bei Rating- und Kreditvergabeprozessen, aber auch bei den KMUs selbst.

Robert Helgerth verfasste diesen Beitrag für hbpa.


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