hbpa – The House of Public Affairs // Beiträge
hbpa – The House of Public Affairs
english
Seite drucken
Sitemap

Dr. Johannes von Thadden

geb. 1956, ist Leiter der Politischen Beziehungen bei EADS Astrium in Deutschland. Der ehemalige Bundesge- schäftsführer der CDU war zuvor für den Deutschen Industrie- und Handelskammertag tätig. 2003 war von Thadden stellver- tretender Generalsekretär der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Dr. Johannes von Thadden, Leiter Politische Beziehungen, EADS Astrium in Deutschland

„Gestärkt aus der Krise“ –
mit High-Tech und Innovation

Um die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Gegenwart zu meistern, muss konsequent in Zukunftstechnologien investiert werden.

Niemand weiß, wie lange uns die Finanz- und Wirtschaftskrise verfolgen wird. Zwei Dinge allerdings sind sicher:

1. An den Folgen werden wir und unsere Nachkommen lange tragen.
2. Der Weg aus der Krise wird nur gelingen, wenn alle die Ärmel aufkrempeln und wir stärken, was Deutschland stark macht: Innovation und High Tech.

Nur so wird auch das ehrgeizige Ziel der Bundeskanzlerin erreichbar sein: aus der Krise sogar gestärkt hervorzugehen.

Neben die kurzfristig angelegten Maßnahmen zur Stabilisierung des Finanzsystems, der Konjunktur und der Beschäftigung muss also eine Strategie treten, die mittelfristig die Grundlagen schafft, um die Krise hinter uns lassen und die Folgen der Krise bewältigen zu können.

Zum Glück kann Deutschland auf besonders viele innovative Unternehmen bauen - in unserem breiten eigentümergeführten Mittelstand und in zahlreichen forschungs- und entwicklungsintensiven größeren Unternehmen.

Und zum Glück muss die Bundesregierung keine neue Innovations- und High Tech-Strategie entwickeln, weil sie in dieser Legislaturperiode bereits eine klug angelegte und solide finanzierte High Tech-Initiative ins Leben rufen konnte: Im März 2007 wurde ein umfangreiches Paket auf den Weg gebracht, in dem die Bundesregierung 17 Schlüsseltechnologien definiert, konkrete Projekte initiiert und die Kooperation zwischen Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Hochschulen verbessert hat. Über 12 Mrd. € hat die Bundesregierung für diese Kraftanstrengung bereitgestellt. Die 17 Zukunftsfelder umfassen Branchen wie die Nanotechnologie, Energietechnologien, Umwelttechnologie oder Gesundheitsforschung und Medizintechnik.

Raumfahrt schafft mehr Lebensqualität

Der am stärksten angetriebene Bereich ist die Raumfahrttechnologie, in die alleine die Bundesregierung über 3 Mrd. € investiert, weil hier das Innovationspotential mit Ausstrahlung auf die gesamte Wirtschaft und die Lebensqualität der Menschen besonders hoch ist. Ein Beispiel: Die Leistungsansprüche an Satelliten, z.B. bei der Übertragung von immer mehr Telefongesprächen, werden immer höher. Damit steigt deren Energiebedarf, der über Solarsegel gedeckt wird. Da diese schlecht immer größer werden können, hat die Raumfahrt ein hohes Interesse an innovativen und leistungsstärkeren Solarzellen. Eine neue Generation solcher Solarzellen mit wesentlich verbesserter Umwandlung von Sonnenlicht in elektrische Energie konnten vor einigen Monaten der mittelständische Hersteller Azur Space aus Heilbronn und das Raumfahrtunternehmen EADS Astrium vorstellen - mit künftigem Nutzen auch bei der Energieeinsparung auf der Erde.

Das verstärkte Raumfahrtengagement hat bereits sichtbare Ergebnisse: So ist Deutschland seit Ende letzten Jahres erstmalig stärkster Investor in neue europäische Raumfahrtprogramme. Dazu gehören wichtige Projekte im Bereich der Umwelt- und Klimaforschung, der Wettervorhersage, in der weltraumgestützten Kommunikation, der Weiterentwicklung der europäischen Trägerrakete Ariane 5, der weiteren wissenschaftlichen Nutzung des europäischen Raumlabors Columbus - z.B. für die Gesundheitsforschung - oder auch das immer wichtiger werdende Thema Sicherheit im Weltraum, z.B. vor Asteroiden und Weltraumschrott.

In all diesen Feldern ist es gelungen, eine gute europäische Kooperation zu befördern und wesentliche Technologie- und Arbeitspakete für Deutschland zu sichern. Das zeigt sich ganz konkret: EADS Astrium hat seine Beschäftigung in Deutschland im vergangenen Jahr um 7% auf 4.000 Mitarbeiter ausgebaut. Das sieht in der absoluten Zahl vielleicht nicht viel aus, aber man muss sehen, dass das Qualifikationsniveau der Mitarbeiter einzigartig ist: Dreiviertel aller Astrium-Mitarbeiter haben ein Hochschulstudium, meist ein Ingenieurstudium. Die übrigen 25% der Mitarbeiter sind hochgradig weiter qualifizierte Facharbeiter.

Noch wichtiger in der Krise: Die deutsche Raumfahrtindustrie wird auch 2009 weiter neue Arbeitsplätze schaffen - nicht nur EADS Astrium, sondern z.B. auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, die "deutsche NASA", die über ihre Forschungsinstitute tausende Arbeitsplätze bietet und die besonders von der zusätzlichen Aufstockung des nationalen deutschen Raumfahrtbudgets durch das Bundeswirtschaftsministerium profitiert.

Qualifizierte Fachkräfte gesucht

Gesucht werden derzeit z.B. Navigationsingenieure, um das aus dem Etat des Bundesverkehrsministeriums geförderte Projekt eines eigenständigen europäischen Navigationssystems Galileo umsetzen zu können. Astrium sucht motivierte Auszubildende, die an der Verwirklichung eines künftigen europäischen Systems zur Erfassung von Umwelt- und Sicherheitsdaten mitarbeiten wollen. Ein Verbund von Unternehmen bereitet sich auf eine künftige deutsche Mond-Mission vor, die nicht nur wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse liefern, sondern auch technische Fortschritte bringen wird. Gesucht werden Physiker und Raumfahrtingenieure, die helfen, den nächsten Schritt in der europäischen Raumfahrt vorzubereiten: die Weiterentwicklung des automatischen Raumtransporters, der bislang beim Wiedereintritt in die Atmosphäre verglüht, hin zu einem System, das Nutzlasten sicher zurücktransportieren kann. Diese Eintrittstechnologie in eine Atmosphäre muss man auch für viele künftige Missionen zu anderen Himmelskörpern mit Atmosphäre beherrschen.

Mitte April startet mit einer Ariane 5 das modernste Weltraumteleskop der Welt, Herschel genannt und in Friedrichshafen gebaut. Dieses Teleskop wird 1,5 Mill. km von der Erde entfernt im Weltraum verankert und wird unser Wissen über die Zeit unmittelbar nach dem "Urknall" spürbar vertiefen. Ingenieuren am Bodensee ist es gelungen, dafür ein hochkomplexes Kühlsystem zu entwickeln; denn für dieses Teleskop ist selbst das bitterkalte Universum zu warm.

Solche Beispiele gibt es viele, auch in anderen High Tech-Branchen in Deutschland. So richtig es ist, sich jetzt um die unmittelbare Bewältigung der Krise zu kümmern, so wichtig ist es, die Zukunft im Blick zu behalten. Deshalb muss die High Tech-Initiative in der kommenden Legislaturperiode konsequent fortgesetzt und intensiviert werden. Innovativ die Ärmel aufkrempeln: damit wir aus der Krise gestärkt hervorgehen.

Dr. Johannes von Thadden schrieb diesen Beitrag für hbpa.


© 2012 · Impressum · Admin