100 Prozent des Stroms aus Erneuerbaren Energien

Chancen für Schleswig-Holstein

Die Energiewende ist das zentrale Zukunftsprojekt in Schleswig-Holstein. Dass dieses Projekt keineswegs nur von Berlin aus gesteuert wird, sondern auch die Kompetenzen der Bundesländer betrifft, bringt uns als Landesregierung in eine großartige Position, die Zukunft gestalten zu können.
Die CDU hat bereits die energiepolitischen Eckpunkte für Schleswig-Holstein beschlossen und wird diesen Weg auch nach dem 6. Mai fortsetzen. Die zukünftige Energieversorgung soll für alle Menschen in Schleswig-Holstein sicher, sauber und bezahlbar sein. Schleswig-Holstein ist und bleibt Vorreiter der Erneuerbaren Energien in Deutschland. Wir sind überzeugt, dass unser Land vom Ausbau der Erneuerbaren Energien profitiert. Gerade deswegen setzen wir uns für eine unverzügliche Fortsetzung des Ausbaus der Infrastruktur Schleswig-Holsteins für den Umstieg auf Erneuerbare Energien ein. Der Energieerzeugung aus Wind kommt in unserem Land eine Schlüsselfunktion zu. Unser Ziel ist es, auch zukünftig Energieexportland zu bleiben, um die damit verbundene Wertschöpfung in unserem Bundesland zu erhalten.
Das Ziel der Fortschreibung des Landesentwicklungsplans mit der Ausweisung von Windeignungsflächen auf 1,6 Prozent der Landesfläche werden wir schon bald erreichen. Ebenfalls halten wir einen Ausbau auf bis zu zwei Prozent dort für möglich, wo es die Gemeinden wollen und die notwendige Akzeptanz der Bevölkerung gegeben ist. Dieses geht zwingend einher mit einem Ausbau der Stromnetze, da wir sonst Investitionen tätigen, deren Erträge am Ende wegen fehlender Netzkapazitäten keine Verwendung finden. Deshalb hat die CDU eine Netzentwicklungsinitiative mit einem ganzheitlichen Netzinfrastrukturkonzept maßgeblich unterstützt und gestartet.

Bis zur Mitte dieses Jahrzehnts 100 Prozent des Strom aus Erneuerbaren Energien

Unsere langfristige Strategie ist es hierbei, den Stromverbrauch in Schleswig- Holstein bis Mitte dieses Jahrzehnts zu 100 Prozent aus Erneuerbaren Energien zu generieren. Ein Vergleich der produzierten Strommengen belegt, dass die Energiewende nur durch den verstärkten Ausbau der Windenergie, ergänzt durch Photovoltaik und Biomasseanlagen, gelingen kann. Wichtig ist darüber hinaus, bis 2020 die Leistungsfähigkeit von Windkraftanlagen durch Repowering und Zentralisierung wirtschaftlicher zu gestalten. Übergeordnetes Ziel ist es hierbei, eine parteiübergreifende Akzeptanz zu erreichen und alle Beteiligten gemeinsam in die Verantwortung zu nehmen. Denn nur so können wir unsere Wirtschaft langfristig zukunftsfähig machen.
Wir als CDU unterstützen bei vorhandener Akzeptanz durch die Bevölkerung die Einrichtung von Bürgerwindparks und Bürgernetzen. Neben der Wind - und Solarenergie stellen Biomasse und Photovoltaik weitere Ergänzungsmöglichkeiten dar. Sie sind für einen Energiemix besonders wichtig, um eine stete Energiesicherheit zu gewährleisten. Darüber hinaus ist eine beständige Optimierung und sinnvolle Ergänzung durch weitere Energieträger wie Geothermie und Wasserstoff verstärkt zu erforschen. 
Damit diese Entwicklung zeitnah überprüft werden kann, wird durch ein jährliches Monitoring-Verfahren die Entwicklung der Erneuerbaren Energien systematisch erfasst, bewertet und gegebenenfalls angepasst. Auf diese Weise - und durch die Entwicklung eines Nachhaltigkeitszertifizierungsystems - wird sichergestellt, dass wir den Umbau zu einem zukunftsfähigen Energiemix schnell und sicher gestalten können.

Politische und technische Herausforderungen angehen

Um diese langfristige Strategie erfüllen zu können, müssen wir uns technischen und auch politischen Forderungen stellen. Das Repowering ist hierbei von hoher Bedeutung. Bei den neuen Drei-Megawatt Anlagen sind bereits Nabenhöhen von 140 – 150 Metern Standard. Daher gilt es ebenfalls, bisherige Standorte durch höhere, effizientere Anlagen zu erneuern. Höhenbegrenzungen haben dennoch besonders in städtebaulicher, siedlungsstruktureller und landschaftscharakterlicher Hinsicht ihre Berechtigung und müssen vor Ort sorgfältig abgewogen werden. 
Schleswig- Holstein ist durch seine Küsten und den ländlichen Raum ein hervorragender Standort für die Windenergieproduktion. Damit allerdings auch andere Bundesländer im Süden der Republik davon profitieren, ist der weitere Netzausbau von hoher Bedeutung. Ein besonderes Problem ist zudem die Härtefallabschaltung. Als Härtefallabschaltung wird eine Situation bezeichnet, in der Windanlagen trotz Wind aufgrund mangelnder Netzkapazität abgeschaltet werden müssen. 
Diesem Problem wirken wir entgegen. So ist durch die Inbetriebnahme der 110 KV- Stromleitung von Breklum nach Flensburg mit einem Rückgang von Härtefallabschaltungen zu rechnen. Uns ist hierbei vor allem die Mitbestimmung der Bürgerinnen und Bürger vor Ort wichtig. In Bürgerbeteiligungsverfahren wird die Möglichkeit von erdverlegten Hochspannungskabeln (110 KV) ergebnisoffen geprüft. Auch alternative Speichertechnologien sind meiner Meinung nach fest in das Netz zu integrieren. Gerade deshalb werden wir die Forschung nach Alternativen zum Einspeisemanagement in Schleswig-Holstein unterstützen. 
Bei der Förderung der Energiewende sind allerdings auch die weiteren Rahmenbedingungen zu beachten. Die verschiedenen konkurrierenden Interessen im Spannungsfeld u.a. von Industrie, Tourismus, Landwirtschaft und Naturschutz sind gegeneinander abzuwägen. Daher ist die Neubewertung von Ausgleichs- und Kompensationsmaßnahmen für Windenergieanlagen ein wichtiges Element, um unser Ziel zu erreichen. Dabei ist die Konkurrenz von landwirtschaftlich genutzten Flächen und Ausgleichsflächen zu minimieren. 

Trotz Energiewende bezahlbare Preise für Bürgerinnen und Bürger

Natürlich werfen all diese Veränderungen auch die Frage der Kostenverteilung auf. Hierbei gilt es, die Kosten für die Bevölkerung und Unternehmen zu minimieren. Allerdings wird es keine Energiewende zum Nulltarif geben können. Ich bin dafür, dies den Bürgerinnen und Bürgern auch ehrlich zusagen. Alles andere wäre nicht verantwortungsvoll.
Die CDU hält aufgrund der hohen Zubauraten unverändert eine Kürzung der Einspeisevergütung bei Solaranlagen für dringend geboten. Es muss aber gleichzeitig sichergestellt sein, dass bei der notwendigen Kürzung der Solarförderung angemessene Übergangsfristen garantiert werden. Hierzu gehört auch die Optimierung des im EEG geregelten Einspeisemanagements. 
Die Energiewende hat gerade erst begonnen. Entscheidende Grundsteine haben wir bereits gelegt. Ich werde diesen Weg weiterhin fest verfolgen, um meine Visionen für die Zukunft umzusetzen. 

Jost de Jager verfasste den Beitrag für hbpa.